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Was ist IHHT?

„IHHT“ steht für Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie bzw. -Training. Dabei werden in Intervallen Phasen mit reduziertem Sauerstoffanteil (Hypoxie) und erhöhtem Sauerstoffanteil (Hyperoxie) eingesetzt. So entsteht ein individuell steuerbares Zelltraining mit Fokus auf Energie, Regeneration und Stoffwechselanpassung.

IHHT-Anwendung auf einer Behandlungsliege

Ist Hypoxie gefährlich?

Lange galt Hypoxie als ungesund, ja sogar als gefährlich. Schon eine kurze Unterversorgung mit Sauerstoff wird in der Schulmedizin vermieden, denn Sauerstoff stellt eine Grundlage für den Energiestoffwechsel der Zellen dar – besonders des Gehirns.

Eine starke, akute Hypoxie wird als so gefährlich angesehen, weil besonders Nervenzellen Sauerstoff zum Überleben benötigen und schon nach 10 Minuten irreversible Schäden auftreten können – aufgrund eines Ungleichgewichts der Elektronen der Zellmembranen sowie der mitochondrialen Membranen.

Heute noch ist die Sauerstoffsättigung im Blut in der Intensivmedizin ein wichtiger Anhaltspunkt für die Therapie. Weg von der Situation der akuten Lebensgefahr gibt es jedoch gerade im Leistungssport einige Bereiche, in denen Sauerstoffmangel schon lange angewendet wird.

Als Beispiel ist das klassische Höhentraining zu nennen. Sportler nutzen den geringeren prozentualen Sauerstoffanteil der Bergluft vor Wettkämpfen aus, um während des Wettkampfs leistungsfähiger zu sein. Die Grundlage des Höhentrainings in den Bergen: Unter Hypoxie besteht im Körper der sogenannte hypoxie-induzierbare-Faktor-1-alpha (HIF-1⍺) vermehrt. Dieser aktiviert unter anderem Erythropoetin (EPO), ein Protein, das die Bildung von roten Blutkörperchen fördert.

Weiterhin konnte gezeigt werden, dass intermittierende, moderate Hypoxie im Gegensatz zur akuten, lebensbedrohlichen Hypoxie sogar positiv auf Nervenzellen wirken kann. Die intermittierende Form zeigt sich als schützend für Membrangleichgewicht und elektrisches Potenzial der Zellen.

Medizin-Nobelpreis

Der Medizin-Nobelpreis im Jahr 2019 ging an drei Wissenschaftler, die sich mit den positiven Effekten und Stoffwechselanpassungen durch Hypoxie beschäftigt haben. Langfristige Hypoxie sollte dennoch bestmöglich vermieden werden. Die IHHT soll eine sichere und praktikable Möglichkeit bieten, Vorteile der Hypoxie kontrolliert zu nutzen.

Wie funktioniert die IHHT Therapie?

Die Intervall-Hypoxie-Hyperoxie-Therapie läuft ohne größere körperliche Anstrengung ab. Patient:innen liegen typischerweise auf einer Liege oder sitzen in einem Ruhesessel und atmen Luft mit wechselndem Sauerstoffanteil über eine Maske ein.

Gleichzeitig werden wichtige Vitalparameter wie Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung aufgezeichnet, um eine sichere Anwendung zu gewährleisten. Wiederkehrende Intervalle mit einigen Minuten Hypoxie, gefolgt von ausgleichenden Hyperoxie-Phasen, bilden die Basis. Bei deutlichen Sättigungsabfällen wird die Hypoxie beendet und die regenerative Hyperoxiephase gestartet.

Insgesamt wird meist eine Therapiedauer von etwa 30–50 Minuten angestrebt. Stärke und Dauer der Phasen werden individuell auf den aktuellen Zustand der Anwender:innen angepasst.

Stoffwechselanpassungen in Zusammenhang mit IHHT

IHHT ist auch als Zelltraining oder Mitochondrientraining bekannt und wird häufig bei Personen mit Auffälligkeiten der Mitochondriengesundheit eingesetzt, z. B. bei chronischer Fatigue, bestimmten Mitochondriopathien oder metabolischen Störungen.

Auch beim metabolischen Syndrom, Prädiabetes und Typ-2-Diabetes wird die Methode diskutiert, da dort oft mitochondriale und metabolische Dysbalancen vorliegen. Mitochondrien sind die Kraftwerke der Zellen und stellen den Großteil der zellulären Energieversorgung bereit.

IHHT und das metabolische Syndrom

Das metabolische Syndrom betrifft einen großen Anteil der erwachsenen Bevölkerung und erhöht u. a. das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In Studien wurden unter IHHT Verbesserungen bei Blutfettwerten, Entzündungsparametern sowie teils Leber- und Herzmarkern beschrieben.

Weitere Arbeiten berichten zusätzlich über Effekte auf Blutdruck und Gefäßsteifheit. Damit erscheint IHHT als potenziell sinnvolle ergänzende Maßnahme in Prävention und Sekundärprävention chronischer Erkrankungen.

Kann man mit IHHT Mitochondrien stärken?

Die direkte Messung mitochondrialer Funktion beim Menschen ist komplex. Häufig werden deshalb Marker wie oxidativer Stress, ATP-Verfügbarkeit, bioenergetische Indizes oder Laktat-Pyruvat-Verhältnisse betrachtet.

In Tiermodellen konnte gezeigt werden, dass intermittierendes Hypoxietraining die oxidative Phosphorylierung der Mitochondrien beeinflussen und deren Effizienz verbessern kann. Kurz gesagt legen Studien nahe, dass IHT/IHHT die mitochondriale Energiegewinnung unterstützen kann.

Der therapeutische Ansatz der IHHT beruht außerdem auf der Idee, dass funktionell starke Mitochondrien den wechselnden Reiz besser nutzen, wodurch zelluläre Anpassungsprozesse angestoßen werden. Das kann sich in Vitalität, Belastbarkeit und Regeneration widerspiegeln.

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Literatur

  1. Serebrovskaya et al. (2013). Tissue oxygenation and mitochondrial respiration under different modes of intermittent hypoxia. High Altitude Medicine & Biology.
    https://doi.org/10.1089/ham.2013.1012
  2. Afina et al. (2021). The Effects of Intermittent Hypoxic-Hyperoxic Exposures on Lipid Profile and Inflammation in Patients With Metabolic Syndrome. Frontiers in Cardiovascular Medicine.
    https://doi.org/10.3389/fcvm.2021.700826
  3. Bestavashvili et al. (2022). Intermittent Hypoxic-Hyperoxic Exposures Effects in Patients with Metabolic Syndrome. Biomedicines.
    https://doi.org/10.3390/biomedicines10030566